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Der stellvertretende Stadtplaner Jules Seltere präsentierte gestern gemeinsam mit den Stadträten Simon Stocker und Raphaël Rohner (v. l.) die neue Begegnungszone in der Neustadt. Die Anwohner ihrerseits nutzten die Veranstaltung, um den Stadtvätern ihre Bedürfnisse zu übermitteln. Bild Selwyn Hoffmann

Den Anwohnern der Neustadt gefällt die neue Begegnungszone – der ständige Schleichverkehr durch die Gasse hingegen nicht.

vonPascal Schmidlin

«Sie ist gefällig geworden», sagte Stadtrat Raphaël Rohner gestern in seiner kurzen Ansprache vor dem Haberhaus. Dort wurde während der letzten Monate fleissig gebaut. Die Parkplätze vor dem Kulturlokal wurden aufgehoben, und das Trottoir wurde um einige Meter verbreitert. Drei LED-Lampen vom Modell «Altstadt» erhellen den neuen, gepflästerten Platz, auf dem auch zwei Sitzbänke stehen. «Dieselben, die wir schon auf dem ‹Platz› aufgestellt haben», sagte der stellvertretende Stadtplaner Jules Selter.

Gegenüber vom Haberhaus hat es neu vier statt drei Parkplätze und zudem einen Veloständer. Die Zone direkt vor dem Haberhaus bietet genügend Platz für ein kleines Strassencafé – was dort auch geplant sei, wie Stadtrat Simon Stocker sagte. «Es braucht das Engagement der Stadt, der Privatwirtschaft und der Bewohner, um ein Quartier aufzuwerten», hielt er fest. Dass dies in der Neustadt gut klappe, habe bereits das Neustadtfest im Sommer gezeigt, das aus privater Initiative heraus zustande kam.

Problem und Lösung benannt

Eingeladen zur Vorstellung der Neuerungen waren auch die Anwohner der Neustadt. Gut 20 von ihnen nutzten die Gelegenheit, um sich den neugestalteten Platz anzusehen und sich mit den Vertretern der Stadt auszutauschen. Es sei schön geworden, lautete der Tenor auch unter den Anwohnern. Das verbreiterte Trottoir werde im Sommer sicher sehr belebt sein, wenn dort das Haberhaus Tische aufstelle. «Aber wer möchte all die Abgase einatmen?», fragte eine der Anwohnerinnen. Damit wies sie auf ein Problem hin, an dem vielen Anwohner der Neustadt Anstoss nehmen: den ständigen Durchgangsverkehr.

«Wir sind ein Wohnquartier und keine Durchfahrstrasse», sagte Thomas Ferber, der gleich gegenüber des neuen Platzes wohnt. Er könne jeweils zur Mittagszeit und nach Feierband beobachten, wie sich die Autos durch die Neustadt schlängeln – und das mit überhöhter Geschwindigkeit in der 20er-Zone. «Die suchen jeweils keinen Parkplatz, sondern wollen den Verkehr auf der Grabenstrasse umfahren oder möglichst schnell ins Parkhaus Herrenacker», sagte er. Dies sei sehr störend und für Fussgänger teilweise auch gefährlich.

Die Anwohner äusserten aber nicht nur Kritik, sondern präsentierten auch gleich eine Lösung. «Man muss nur den Verkehr umgekehrt durch die Einbahnstrasse führen», sagte ein Anwohner. Dann verschwinde der Schleichverkehr sofort. «Das sieht man jeweils, wenn wegen Bauarbeiten die Autos vom Rhein her in die Neustadt fahren müssen», sagte er weiter. Dann würden nur noch diejenigen Autofahrer durch die Neustadt fahren, die auch wirklich in die Neustadt wollen.

Simon Stocker versicherte den Anwesenden, dass man die Anliegen prüfen und auch geeignete Massnahmen in Betracht ziehen werde. Wahrscheinlich sei der Einbau von Bodenschwellen zur Verkehrsberuhigung.

Aus den Schaffhauser Nachrichten vom 17.12.2015